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2021-01-26

Den sicheren Hafen verlassen – eine Möglichkeit den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen

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Ich habe meine Selbständigkeit wirklich nach und nach aufgebaut. Zunächst hatte ich einen Vollzeitjob und habe mein Duales Masterstudium in Erwachsenenbildung beendet, bevor ich meine ersten eigenen Seminare gehalten habe. Ich habe schon in meinen regulären Beruf versucht innerhalb der Organisation die Abteilung zu wechseln, um hier ein bisschen zu üben und Erfahrungen zu sammeln. Ich hielt also Vorträge in der Präventionsabteilung. Dies aber auch nur aushilfsweise. Ich nutzte jede freie Minute am Wochenende und abends, um eigene Seminare auf die Beine zu stellen, eigene erste Coachings zu akquirieren und mich zu positionieren. Allerdings hat mich der Weg voll in die Selbständigkeit zu gehen, viel Kraft und auch „Überwindung“ der eigenen Muster gekostet. Aber was hielt mich innerlich davon ab, nicht früher den Schritt zu gehen? Welche Glaubenssätze hatte ich (und sicherlich viele andere)?

„Er gibt mir Sicherheit. Das war meine Standardantwort auf die Frage, warum ich mich eigentlich immer noch nicht voll und ganz meiner Selbständigkeit und vor allem meiner Leidenschaft und meinem Herzensthema gewidmet habe. Viele Menschen wissen nicht einmal, was sie machen wollen und ich habe das „was“ gefunden und traue mich trotzdem nicht, dachte ich damals. Dafür verurteilte ich mich und gleichzeitig konnte ich irgendwie nicht aus meiner Haut. Irgendetwas hinderte mich. Aber was? Ich spürte eine diffuse Angst … Angst, nicht mehr den Vorstellungen anderer zu entsprechen. Angst, nicht mehr zu gefallen. Angst, mich falsch zu entscheiden. Angst, kein sicheres Einkommen zu haben. Angst, keine Aufträge mehr zu bekommen. Angst, es nicht gut genug zu machen. Angst, ausgelacht zu werden. Angst, nicht ernst genommen zu werden.

Was sollen die Leute denken, wenn ich aus dem „Nichts“ einen Beamtenstatus kündige? Meine Kollegen schauten mich sowieso schon immer ungläubig an, wenn ich erzählte, dass ich nebenbei Workshops gebe. „Wööörk… - was?“ Der Großteil meines Umfelds wurde auch nicht müde mir „gut gemeinte Ratschläge“ zu geben. „Sei doch vernünftig, so einen sicheren Job sollte man nicht aufgeben. Andere wären froh so einen Job zu haben. Du bekommst doch jeden Monat gutes Geld und musst dich nicht krumm machen. Zudem ist dein Job super spannend.“ Ja, alles richtig, für andere Leute ist das sicher auch genau das Richtige. Für andere.

Die Doppelbelastung war zu Hochzeiten immens und es fühlte sich an, als würde ich mich permanent außerhalb meiner Komfortzone bewegen. Und jaaa, weise Menschen sagen, dass das ganz toll für die eigene Entwicklung sei, aber mir hätte ja auch mal jemand sagen können, wie anstrengend das alles ist.

Ich lernte mich in dieser Zeit so gut kennen wie nie zuvor. Regelmäßige Reflektionen gehörten mittlerweile zu meinem „täglich Brot“. Ich fand das war ein echt positiver Nebeneffekt dieser anstrengenden Zeit. Die Frage, die ich mir immer wieder stellte: „Was brauche ich (noch), um mich voll und ganz meinem Herzensthema zu öffnen? Ich habe Aufträge, ich habe tolle Trainerkollegen, ich habe absolut unterstützende Mentoren, ich liebe diese Arbeit und dennoch hält mich etwas ab.“

Und in vielen andern Fällen im Leben geht es ja gar nicht um die Frage, ob Selbstständigkeit ja oder nein, sondern ob wir unserem Herzen folgen und das machen, was uns Freude bereitet, was wir wirklich gut können, womit wir einen Mehrwert schaffen können!

Es hätte bei mir theoretisch auch etwas ganz anderes sein können. Ein neuer Job bei einem anderen Arbeitgeber, einen Umzug (vielleicht ins Ausland), eine lange Reise, eine Trennung, eine neue Partnerschaft, eine Neuorientierung wohin auch immer, etc. Aber es war in meinem Fall eben der Weg in die Selbstständigkeit.

Die Frage ist, wovor hast du Angst? Eines, was ich in dieser Zeit gelernt habe ist, meine Ängste zuzulassen und nicht wie sonst üblich zu verdrängen oder nicht ernst zu nehmen. „Wer Angst hat, ist schwach“, heißt es. „Toller“ Glaubenssatz. Angst lähmt und überschattet immer darunter liegende Gefühle. In der Theorie macht das ja auch total Sinn. Nur wenn wir mittendrin stecken, ist das manchmal gar nicht so easy.

Also bereitete ich mich, gut strukturiert wie ich bin, auf alles Mögliche vor, klärte meinen Rentenanspruch, informierte mich über mögliche Versicherungen für Selbstständige im Krankheitsfall, usw.

Der erste große Schritt war, meinen Vollzeitjob erst auf 80 % zu reduzieren und kurze Zeit später bereits auf 50 %. Dies war für mich genau der richtige Weg: Einerseits ein sicheres Standbein zu haben, immer noch sicheres Einkommen zu generieren und auf der anderen Seite dann den Aufbau der Selbständigkeit voran zu treiben und erste Kunden zu generieren und zu halten.

Mir hat dabei sehr die Unterstützung meines Netzwerks geholfen. Netzwerke nutzen und sich unter Kollegen gegenseitig zu unterstützen ist aus meiner Sicht unerlässlich und eines der großen Learnings, die ich selbst erfahren durfte. Der gegenseitige Support, die Unterstützung, die Empfehlungen, etc. Dies alles sind Dinge, die du sonst komplett alleine stämmen musst. Dieses Netzwerk und die Kollegen/Mentoren um mich zu wissen, war eine weitere „Sicherheit“ für mich um den kompletten Sprung in die Selbständigkeit zu wagen.

Zusammengefasst heißt das, ich habe mich gewagt, voll in die Selbständigkeit zu gehen, nachdem ich mir über einen längeren Zeitpunkt nebenberuflich etwas aufgebaut und während dieser Zeit auch Mentoren hatte, die mir dabei zur Seite standen.

Rückblickend betrachtet, war das für mich genau der richtige Weg. Gerade auch, weil ich aus einem großen Sicherheitsdenken heraus agiert habe.

Das ist auch mein Tipp an dieser Stelle: Baue dir zunächst nebenbei etwas auf, probiere aus, experimentiere, akquiriere Kunden – und das alles, während du weiterhin ein sicheres Einkommen hast. Gerade dann, wenn du finanzielle Verpflichtungen hast. 

Team Knossalla - 19:37:06 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen

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